Dieses Seminar (Modul 1-4) richtet sich speziell an Lehrer*innen, die sich Strategien erarbeiten möchten, israelbezogenen Antisemitismus an der Schule zu erkennen und kompetent zurückweisen zu können. Antisemitismus, der sich am Staat Israel entzündet, stellt Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen. Zwar ist der Nahostkonflikt nicht die Ursache für den Antisemitismus, dennoch werden reale Krisen des arabisch-israelischen Konflikts auch dafür genutzt, Antisemitismus verstärkt zu befeuern. Die Grenze zwischen legitimer Kritik an israelischem Regierungshandeln und antisemitischen Ressentiments zu erkennen, fällt vielen schwer. Die Konfliktgeschichte in Nahost ist komplex und wird allzu oft durch Ressentiments und “Fake News” vereinfacht dargestellt.
Für Lehrkräfte und Pädagog*innen haben wir einen Modulbaukasten entwickelt, der eine Auseinandersetzung mit Israel und dem arabisch-israelischen Konflikt mit einer Sensibilisierung für israelbezogenen Antisemitismus kombiniert. Wir empfehlen eine Kombination von Modulen, die wichtiges Faktenwissen über die israelische Geschichte und die Entstehung des Nahostkonflikts vermitteln, mit Modulen zum israelbezogenen Antisemitismus. Lehrkräfte werden in die Lage versetzt, die spezifische Form des israelbezogenen Antisemitismus zu erkennen, legitime Kritik an israelischem Regierungshandeln von antisemitischen Ressentiments zu unterscheiden und die Thematik im eigenen Bildungskontext kompetent zu behandeln. Wir stimmen unser Angebot eng mit Ihren Bedarfen ab. Die Länge der Module kann je nach Intensität und Zeitbudget variieren.
Details zum Seminar und Ablauf
Modul 1: Zionismus und die Gründung des Staates Israel:
Eine Antwort auf den Antisemitismus
Das Modul startet mit Übungen zur Selbst- und Gesellschaftsreflektion zum Phänomen Antisemitismus. Anschließend folgt eine Verhältnisbestimmung von Antisemitismus und Nahostkonflikt. Dann werden anhand einer Zeitleisten-Übung mit den wichtigsten Stationen von der Antike bis zur Staatsgründung Israels 1948 die Ursprünge des Nahostkonflikts betrachtet. Dabei geht es vor allem darum, die Ursprünge des Zionismus zu klären: Die jüdische Nationalbewegung entstand hauptsächlich in Auseinandersetzung mit dem europäischen Antisemitismus. So soll einer verbreiteten, verkürzten und teilweise delegitimierenden Darstellung der zionistischen Bewegung entgegengewirkt werden. Dieser Zusammenhang soll anhand von Quellentexten und Präsentationen erfahrbar gemacht und in seiner Bedeutung für die eigene Geschichte reflektiert werden. Dazu wird die Funktionsweise des Antisemitismus und die Bedeutung eines souveränen jüdischen Staates für viele Jüdinnen und Juden in der Gegenwart erläutert.
Methoden: Inputvorträge, Gruppendiskussionen, Quellenarbeit
Dauer: 90 Minuten
Modul 2: Der israelisch-arabische Konflikt: Fluchtgeschichten, Akteure, Lösungsmöglichkeiten
Das Modul startet mit einer Zeitleisten-Übung mit den wichtigsten Stationen von der Staatsgründung Israels 1948 bis zur aktuellen Situation. Anschließend wird der erste arabisch-israelische Krieg 1948/49 behandelt. Was waren dessen territorialen und die humanitären Folgen? Dazu rückt ein Film zu arabisch-palästinensischen Fluchtgeschichten des Krieges die Schicksale von Betroffenen und ihr Leiden bis heute in den Fokus. Dann folgt die Vorstellung dreier Akteure: Israel, PLO und Hamas. Die israelische Demokratie wird im Vergleich zum politischen System der Bundesrepublik analysiert, die Zusammensetzung der israelischen Gesellschaft wird betrachtet und aktuelle Herausforderungen für die Demokratie Israels werden erörtert. Mit PLO und Hamas werden die wichtigsten palästinensischen Organisationen und ihre Programmatik vorgestellt. In einem historischen Abriss werden anschließend die Geschichte des Nahostkonflikts bis zur Gegenwart behandelt und bisherige Lösungsvorschläge sowie Zukunftsperspektiven diskutiert. Abschließend werden aktuelle Ereignisse vertieft, unter anderem das Massaker vom 7. Oktober 2023 und die folgenden Kriege in der Region.
Methoden: Film, Quellenarbeit, Inputvorträge, Gruppendiskussion
Dauer: 120 Minuten
Modul 3: Sprechen über Israel: Legitime Kritik versus israelbezogener Antisemitismus
Der Hass auf Juden und Jüdinnen entzündet sich oft am Staat Israel. Was sind die Gründe dafür? Was sind die spezifischen Merkmale dieser aktuellen Erscheinungsform des Antisemitismus und wie kann man sie erkennen?
In diesem Modul überlegen die Teilnehmenden, wo in unserer Gesellschaft überall Antisemitismus vorkommt. Warum ist Antisemitismus kein Phänomen der politischen Ränder, sondern ist auch in der Mitte der Gesellschaft zu finden? Durch Übungen in der Gruppe und Einzelarbeiten, die zur Selbstreflexion anregen, sollen bestehende Annahmen hinterfragt werden. Das ist ein wichtiger Schritt, um Antisemitismus benennen und bekämpfen zu können. Dabei soll erkannt werden, inwieweit welche gesellschaftlichen Bereiche von Antisemitismus durchzogen sind.
Oft tritt Antisemitismus aber nicht offen auf, sondern versteckt sich hinter Codes und Chiffren. Oft entzündet er sich auch am Staat Israel, welcher zum Ziel von Hass und Kritik wird. Doch wann wird Kritik zu Antisemitismus? Um dies zu verstehen, versuchen wir zu vermitteln, was legitime Kritik an israelischem Regierungshandeln von israelbezogenem Antisemitismus unterscheidet. Dazu werden verschiedene Definitionen von Antisemitismus erörtert. Je nach Interesse werden aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus vertieft. Es ist wichtig, Antisemitismus zu erkennen und zu bekämpfen, insbesondere wenn er sich in der Form einer Dämonisierung Israels oder der Leugnung seines Existenzrechts äußert. Dazu gehört, sich mit den Funktionsweisen von Antisemitismus auseinanderzusetzen.
Methoden: Übungen zur Selbst- und Gesellschaftsreflektion, Inputvorträge, Gruppendiskussion, Zeitleiste Nahostkonflikt
Dauer: 90 Minuten
Modul 4: Interventionen gegen Antisemitismus in der Schule
In diesem Modul üben Lehrkräfte praxisorientierte Interventionen und Argumentationsstrategien gegen Antisemitismus. Dabei können die Teilnehmenden eigene Erfahrungen und Erlebnisse einbringen. Gemeinsam erarbeitet die Gruppe Strategien, um wirksam gegen diskriminierende Aussagen vorzugehen. Dazu werden modellhafte Äußerungen aus dem Raum Schule, aus der Politik oder aus dem Alltag erörtert und kontextualisiert. Im abschließenden Teil wird praktisch ausprobiert, wie man in solchen Situationen agieren kann. Ziel ist es, die eigenen Emotionen in der Situation zu nutzen und authentisch und überzeugend zu argumentieren. Es eignet sich auch für Lehrkräfte und Pädagog*innen, die dafür sensibilisiert werden wollen, wie sie Antisemitismus in schulischen Situationen richtig einschätzen und intervenieren können. Dabei werden auch rechtliche Aspekte vermittelt.
Methoden: Fallarbeit, Argumentationstraining, Gruppendiskussion, Inputvorträge
Dauer: 90 Minuten